Reform der Altersvorsorge: Was Du wissen musst

Thomas Niss
Gründer und CEO
Wissenswertes
26.2.2026
2.26.2026
6 Minuten

Die Riester-Rente ist gescheitert. Zu teuer, zu kompliziert, zu wenig Rendite. Das hat die deutsche Politik verstanden. Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die private Altersvorsorge in Deutschland grundlegend verändern soll.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

Das Herzstück ist das Altersvorsorgedepot: ein steuerlich gefördertes Wertpapierdepot, in dem Du frei in Fonds, ETFs und Anleihen investieren kannst. Der Staat legt bis zu 30 Prozent auf Deine Einzahlungen drauf. Wer 150 Euro pro Monat einzahlt, erhält 480 Euro Grundzulage pro Jahr, plus bis zu 300 Euro pro Kind. Wer unter 25 ist, bekommt einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus.

Erträge im Depot bleiben während der Ansparphase komplett steuerfrei. Besteuert wird erst bei der Auszahlung in der Rentenphase – wenn Dein Steuersatz in der Regel deutlich niedriger ist. Dazu kommt ein jährlicher Sonderausgabenabzug, der für Gutverdiener zusätzliche Steuervorteile bringt. Die Hürde? Nur 10 Euro im Monat Mindestbeitrag.

Der Gesetzentwurf unterscheidet zwischen einem flexiblen Altersvorsorgedepot mit freier Produktwahl und einem einfachen Standarddepot mit Kostendeckel von 1,5 Prozent – gedacht für alle, die es unkompliziert wollen. Bestehende Riester-Verträge können umgeschichtet werden.

Ein Detail, das viele übersehen werden: Du kannst deutlich mehr einzahlen als den geförderten Höchstbetrag. Bis zu 13.680 Euro Eigenbetrag im Jahr sind möglich – auch der Teil oberhalb der Fördergrenze profitiert von der Steuerfreiheit während der Ansparphase. Warum das ein echter Vorteil ist und wie Du das für Dich nutzen kannst, erkläre ich weiter unten.

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Verkürzt kann man sagen: Das Altersvorsorgedepot ist ein Wertpapierdepot, in das Du regelmäßig einzahlst und dafür staatliche Zulagen und Steuervorteile bekommst. Du kannst in Fonds, unabhängig ob über die Börse gehandelt (ETF) oder nicht, und andere Wertpapiere investieren. Und das ohne Garantiepflicht. Das ist der entscheidende Unterschied zu Riester.

Bei Riester musste der Anbieter garantieren, dass Du am Ende mindestens Deine eingezahlten Beiträge zurückbekommst. Klingt nett, hat aber dazu geführt, dass das Geld in teure Garantieprodukte geflossen ist statt in langfristig renditestarke Aktienfonds. Das Ergebnis: niedrige Renditen und hohe Kosten.

Beim Altersvorsorgedepot fällt die Garantiepflicht weg. Du trägst das Anlagerisiko selbst – und profitierst dafür von der Marktrendite. Wer lange Zeit hat, für den war das – zumindest in der Vergangenheit - der viel bessere Deal.

Wer hat Anspruch auf die Förderung?

Unmittelbar förderberechtigt sind alle, die in der inländischen gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Dazu gehören auch Beamte, Richter, Berufssoldaten und bestimmte Empfänger von Amtsbezügen. Kurz: Wer Pflichtbeiträge in ein öffentliches Alterssicherungssystem zahlt, ist dabei.

Und jetzt wird es für Paare interessant: Auch Ehepartner, die selbst nicht zum förderberechtigten Personenkreis gehören, können eine Zulage bekommen – als sogenannte mittelbar Zulageberechtigte. Voraussetzung: Der Partner ist unmittelbar berechtigt, und der mittelbar Berechtigte zahlt mindestens 120 Euro im Jahr in einen eigenen Altersvorsorgevertrag ein. Die Höhe der Zulage wird dann auf Basis der Einzahlungen des berechtigten Partners berechnet – die Grundzulage für den Partner ist allerdings auf maximal 175 Euro gedeckelt.

Die Förderung: Wie viel gibt der Staat dazu?

Auf die ersten 1.200 Euro, die Du im Jahr einzahlst, bekommst Du 30 Prozent Zulage. Das sind bis zu 360 Euro. Auf jeden weiteren Euro zwischen 1.200 und 1.800 Euro gibt es noch einmal 20 Prozent – das sind nochmal bis zu 120 Euro. Zusammen also maximal 480 Euro Grundzulage pro Jahr.

Wer unter 25 ist, bekommt einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus obendrauf. Und für Kinder gibt es eine eigene Kinderzulage: 25 Prozent auf Deine Beiträge bis 1.800 Euro – maximal 300 Euro pro Kind und Jahr.

Wichtig: Die volle Zulage gibt es erst ab einem Mindesteigenbeitrag von 120 Euro im Jahr. Das sind 10 Euro im Monat. Die Hürde ist also bewusst niedrig gehalten.

Rechnen wir das mal durch: Wer 1.800 Euro im Jahr einzahlt (150 Euro im Monat) und ein Kind hat, bekommt 480 Euro Grundzulage plus 300 Euro Kinderzulage – zusammen 780 Euro vom Staat. Das entspricht einer sofortigen Rendite von über 43 Prozent auf den Eigenbeitrag. Bevor der erste Euro am Kapitalmarkt arbeitet.

Die Möglichkeit zur Überzahlung: Warum das Sinn macht!

Was viele nicht wissen: Du bist beim Altersvorsorgedepot nicht auf den geförderten Höchstbetrag von 1.800 Euro beschränkt. Der Gesetzentwurf erlaubt Eigenbeiträge von bis zu 6.840 Euro pro Jahr und Vertrag. Die Anzahl der Verträge ist dabei auf 2 beschränkt. Insgesamt kannst Du also 13.680 Euro einzahlen. 1.800 Euro davon werden gefördert. Die Differenz – also bis zu 11.880 Euro – sind sogenannte Überzahlungen. Darauf bekommst Du zwar keine Zulage und keinen Sonderausgabenabzug. Aber: Die Erträge auf diesen Betrag sind während der gesamten Ansparphase genauso steuerfrei wie auf den geförderten Teil.

Warum das attraktiv ist? Normalerweise zahlst Du auf Kapitalerträge 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Soli und ggf. Kirchensteuer – effektiv mindestens 26,4 Prozent. Und auch wenn Du nicht verkaufst, fällt auf normalen Depots die Vorabpauschale an. Im Altersvorsorgedepot: null. Dividenden, Zinsen, Kursgewinne – alles bleibt komplett im Depot und arbeitet für Dich weiter. Über 20 oder 30 Jahre macht dieser Zinseszinseffekt auf das Bruttovermögen einen enormen Unterschied.

Besteuert wird erst bei der Auszahlung – dann mit Deinem persönlichen Einkommensteuersatz, der im Alter typischerweise deutlich niedriger liegt. Wer also über die Fördergrenze hinaus Geld für die Altersvorsorge zurücklegen kann, sollte diese Möglichkeit unbedingt nutzen.

Und wie funktioniert das mit den Steuervorteilen?

Neben der Zulage gibt es den klassischen Sonderausgabenabzug. Du kannst Deine Altersvorsorgebeiträge bis zu 1.800 Euro im Jahr plus die darauf entfallende Zulage steuerlich geltend machen. Das Finanzamt prüft dann automatisch, was für Dich günstiger ist – Zulage oder Steuerersparnis. Das nennt sich Günstigerprüfung und passiert von Amts wegen, Du musst also nichts tun.

Für wen lohnt sich der Sonderausgabenabzug? Vor allem für Gutverdiener mit hohem Grenzsteuersatz. Denn abziehbar sind nicht nur die 1.800 Euro Eigenbeitrag, sondern auch die darauf entfallende Zulage von 480 Euro – zusammen also 2.280 Euro. Bei einem Spitzensteuersatz von 42 Prozent ergibt das eine Steuerersparnis von rund 958 Euro – das ist deutlich mehr als die Grundzulage von 480 Euro. Die Differenz von rund 478 Euro wird dann zusätzlich erstattet. Geringverdiener fahren dagegen mit der Zulage besser, weil ihr Steuersatz niedrig ist. Das System passt sich also automatisch an Deine Situation an.

Konkret funktioniert das so, dass Du, auch wenn der Sonderausgabenabzug für Dich günstiger ist, die Zulage auf Dein Depot erhältst, allerdings wird sie Dir auf Deine Einkommensteuer aufgeschlagen, damit Du nicht doppelt profitierst. Das aber eben nur dann, wenn der Sonderausgabenabzug insgesamt vorteilhafter für Dich ist.

Was darfst Du ins Depot legen?

Hier wird es interessant – denn der Gesetzentwurf kennt zwei verschiedene Depot-Typen: den Altersvorsorgedepot-Vertrag und den Standarddepot-Vertrag Altersvorsorge.

Der Altersvorsorgedepot-Vertrag ist die flexible Variante. Du kannst in OGAW-Fonds (das sind EU-regulierte Investmentfonds, also auch ETFs), offene Publikums-AIF, europäische langfristige Investmentfonds (ELTIF) und bestimmte Staatsanleihen investieren. Die Risikoklasse darf maximal 5 betragen. Du kannst selbst entscheiden, welche Produkte Du wählst – oder das Deinem Anbieter überlassen. Keine Garantiepflicht, keine vorgeschriebene Fondsauswahl. Das ist echte Wahlfreiheit.

Der Standarddepot-Vertrag ist dagegen die einfache Variante – bewusst so konzipiert, dass er ohne Beratung online abgeschlossen werden kann. Hier legt der Anbieter genau zwei Fonds fest: einen risikoarmen und einen renditeorientierten. Du entscheidest nur, wie Du zwischen diesen beiden aufteilst. Fünf Jahre vor Rentenbeginn muss der renditeorientierte Anteil auf maximal 50 Prozent sinken.

Für das Standarddepot gilt außerdem eine Kostenobergrenze: Die Effektivkosten dürfen höchstens 1,5 Prozent pro Jahr betragen.

Jeder Anbieter, der ein normales Altersvorsorgedepot anbietet, muss übrigens auch mindestens ein Standarddepot im Programm haben. So soll sichergestellt werden, dass es immer eine einfache, vergleichbare Option gibt.

Steuern: Nachgelagerte Besteuerung

Das Altersvorsorgedepot arbeitet nach dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung. Heißt: Deine Einzahlungen und die Zulagen sind während der Ansparphase steuerfrei. Dividenden, Zinsen und Kursgewinne im Depot werden nicht besteuert – solange das Geld im Depot bleibt.

Erst bei der Auszahlung in der Rentenphase fällt Einkommensteuer an. Der Vorteil: In der Regel ist Dein persönlicher Steuersatz im Alter niedriger als während des Berufslebens. Außerdem profitierst Du während der Ansparphase vom vollen Zinseszinseffekt auf das Bruttovermögen.

Riester, Garantieprodukte und das Altersvorsorgedepot

Ein weit verbreitetes Missverständnis: Die Reform schafft Riester nicht einfach ab. Richtig ist: Der Name Riester verschwindet, aber Garantieprodukte bleiben ausdrücklich Teil des Systems. Der Gesetzentwurf kennt künftig drei Produktkategorien nebeneinander: das Altersvorsorgedepot ohne Garantie, das Standarddepot als einfache Variante – und eben Garantieprodukte mit Kapitalerhalt.

Bei den Garantieprodukten gibt es eine wesentliche Neuerung: Der Anbieter kann künftig wählen, ob er 100 Prozent oder 80 Prozent des eingezahlten Kapitals zu Beginn der Auszahlungsphase garantiert. Die 100-Prozent-Variante entspricht im Kern dem heutigen Riester. Die 80-Prozent-Variante ist neu und gibt dem Anbieter mehr Spielraum, einen Teil des Geldes renditeorientiert anzulegen – bei gleichzeitiger Absicherung des Großteils des Kapitals. Für konservative Sparer, die Kapitalverluste nicht akzeptieren wollen, bleibt also weiterhin eine geförderte Option.

Und was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen? Die laufen weiter. Du kannst Dein Riester-Guthaben aber in ein Altersvorsorgedepot umschichten – ohne steuerliche Nachteile. Das ist sinnvoll, wenn Dein alter Vertrag hohe Kosten hat und wenig Rendite bringt. Was auf die meisten Verträge zutrifft. Die bisherige Garantiepflicht von 100 Prozent kann bei bestehenden Verträgen auf 80 Prozent gesenkt werden – oder ganz entfallen, wenn Du in ein Altersvorsorgedepot wechselst. In beiden Fällen gilt: nur wenn der Anbieter das anbietet und Du als Kunde zustimmst.

Exkurs: Die Frühstart-Rente: Förderung ab der Geburt

Die Frühstart-Rente wird von vielen in einem Atemzug mit dem Altersvorsorgedepot geplant. Und die Frühstart-Rente ist auch Teil der geplanten umfassenden Reform der Altersvorsorge. Allerdings enthält der Gesetzentwurf zum Altersvorsorgereformgesetz, so der genaue Titel, noch keine konkreten Inhalte zur Frühstartrente. Hier gilt es also noch zu warten.

Mein Fazit

Das Altersvorsorgedepot ist ein großer Schritt in die richtige Richtung. Endlich eine staatlich geförderte Altersvorsorge, die auf echte Kapitalmarktrenditen setzt statt auf teure Garantieprodukte. Die Förderung ist einfach und transparent. Und die geplante Frühstart-Rente zeigt, dass der Gesetzgeber den Zinseszinseffekt verstanden hat.

Worauf Du besonders achten solltest: Lass Dich nicht von Lockangeboten blenden. Viele Anbieter werden das Altersvorsorgedepot besonders günstig oder sogar kostenlos anbieten – um Dich als Kunden zu gewinnen. Das klingt erst mal gut. Aber das Geschäftsmodell dahinter ist durchschaubar: Jedes Mal, wenn Du die App öffnest, wird Dir ein anderes Finanzprodukt angeboten. Ein Kredit hier, eine Versicherung da, ein Krypto-Sparplan dort. Damit verdienen die Anbieter ihr Geld – nicht mit dem Depot selbst. Das hat sich leider gerade am deutschen Markt so etabliert: außen hui, innen pfui. Achte also darauf, wer Dir das Depot anbietet, und frag Dich, wie das Unternehmen sein Geld verdient. Wenn Du das nicht auf den ersten Blick erkennst, bist meistens Du das Produkt.

Und noch etwas, das in der Debatte viel zu selten vorkommt: Denk darüber nach, wo Dein Geld am Ende tatsächlich investiert wird. Der Reflex vieler Anleger wird sein, einen Welt-ETF auf den MSCI World zu kaufen – und damit ist die Sache erledigt. Globale Diversifikation, klingt vernünftig. Ist es auch, im Grundsatz. Aber schau Dir die Zusammensetzung an: Über 70 Prozent des MSCI World stecken in US-amerikanischen Aktien. Deutschland? Nicht einmal 5 Prozent. Europa insgesamt? Rund 15 Prozent. Das heißt: Du baust Dir eine Altersvorsorge auf, die fast ausschließlich vom US-Markt abhängt.

Das bringt zwei Probleme mit sich. Erstens: Währungsrisiko. Deine Rente wirst Du in Euro bestreiten – Miete, Lebensmittel, Versicherungen, alles in Euro. Wenn der Dollar in 30 Jahren schwächer steht als heute, schrumpft Dein Depotwert in Euro gerechnet. Das ist kein theoretisches Risiko, sondern eine ganz reale Unbekannte über einen so langen Zeitraum. Zweitens – und das ist der größere Punkt: Wenn Millionen europäischer Anleger ihr Geld systematisch in US-Unternehmen stecken, fehlt dieses Kapital in Europa. Langfristig schwächt das die europäische Volkswirtschaft – also genau die Wirtschaft, in der Du lebst und arbeitest.

Disclaimer

Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Er dient ausschließlich der allgemeinen Information über die geplante Gesetzesreform. Stand: Februar 2026, basierend auf dem Gesetzesentwurf (BT-Drs. 21/4088).

Die Bundesregierung plant mit dem Altersvorsorgedepot einen grundlegenden Neustart der privaten Altersvorsorge: Statt Riester-Garantien gibt es ein steuerlich gefördertes Wertpapierdepot ohne Garantiepflicht, mit freier Anlage in Fonds und ETFs, niedriger Einstiegshürde (ab 10 Euro monatlich) und attraktiven Zulagen von bis zu 480 Euro pro Jahr plus Kinderbonus. Erträge bleiben während der gesamten Ansparphase steuerfrei, auch bei Überzahlungen bis zu insgesamt 13.680 Euro jährlich, wodurch der Zinseszinseffekt deutlich stärker wirkt; besteuert wird erst im Alter zum dann meist niedrigeren persönlichen Steuersatz. Neben einer flexiblen Depotvariante ist ein günstiges Standarddepot vorgesehen, bestehende Riester-Verträge können übertragen werden – insgesamt gilt die Reform als klarer Schritt weg von teuren Garantieprodukten hin zu langfristiger Kapitalmarktrendite, erfordert aber bewusste Anbieter- und Anlageentscheidungen.

Ein Kommentar

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